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Slow Ventures organisiert eine „Etiketteschule“ für Gründer und löst damit eine Debatte im Silicon Valley aus.

Als Zeichen für die zunehmende Reife und kritische Betrachtung des Technologiesektors veranstaltete die Risikokapitalgesellschaft Slow Ventures eine exklusive dreistündige „Etikette-Schulung“ für Gründer von Startups. Die Veranstaltung fand im luxuriösen Four Seasons Hotel im Finanzviertel von San Francisco statt und zielte darauf ab, die Soft Skills der Unternehmer über Programmierkenntnisse und Wachstumskennzahlen hinaus zu verbessern.

Das Programm, für das sich mehrere hundert Gründer bewarben, von denen aber nur 50 – überwiegend Männer – ausgewählt wurden, bot ein für die Startup-Szene ungewöhnliches Curriculum. Die Inhalte reichten von der Kunst des perfekten Händedrucks und den Grundlagen des öffentlichen Redens über Büroetikette bis hin zu einer Modenschau, die angemessene Kleidung für verschiedene berufliche Anlässe präsentierte. Den krönenden Abschluss bildete ein Masterclass über Kaviar und Wein.

50
Akzeptierte Gründer

3
Dauer in Stunden

200
Eingegangene Bewerbungen

Eine Antwort auf das neue technologische Zeitalter

Die Idee, die offenbar als Scherz nach dem Interesse am Demo Day von Y Combinator entstand, entspricht laut den Organisatoren einem realen Bedürfnis. Ein anonymer Gründer, der an der Veranstaltung teilnahm, gestand, sein Ziel sei es, „weniger waghalsig“ zu werden – ein Zeichen dafür, dass sich die Kultur des „schnell handeln und Dinge kaputtmachen“ weiterentwickelt.

Die Vision von Slow Ventures

„Technologie ist nicht mehr lustig oder niedlich. Sie nimmt Menschen Arbeitsplätze und verändert die Umwelt. Jeder fühlt sich davon bedroht, deshalb müssen wir sagen: ‚Ich bin hier und ich bin respektvoll‘, anstatt: ‚Ich bin hier und ich bin absichtlich respektlos.‘“

– Sam Lessin, General Partner bei Slow Ventures

Die Y-Kombinator-Reaktion

Die Initiative war nicht unumstritten. Garry Tan, der einflussreiche CEO von Y Combinator, riet den Gründern seines Accelerators zunächst von einer Teilnahme ab. Später präzisierte er seine Position im sozialen Netzwerk X und erklärte, er habe „kein Problem mit Slow Ventures“, bekräftigte aber gleichzeitig seine produktorientierte Philosophie.

Veröffentlicht in X

„Man braucht keine Benimmschule. Man muss etwas Großartiges schaffen, seine Nutzer glücklich machen und über Können verfügen.“

- Garry BräuneCEO von Y Combinator

Profil: Slow Ventures

Langsame Unternehmungen Slow ist eine 2010 von Dave Morin, Kevin Colleran und Sam Lessin gegründete Risikokapitalgesellschaft, die sich auf Frühphaseninvestitionen spezialisiert hat. Alle drei waren in den Anfängen von Facebook eng mit dem Unternehmen verbunden. Mit Hauptsitz in San Francisco konzentriert sich Slow auf den Aufbau von Communities und Netzwerken und investiert in ein breites Spektrum an Branchen – von Konsum- und Unternehmenssoftware bis hin zu Klima- und Raumfahrttechnologie. Zum Portfolio gehören frühe Beteiligungen an äußerst erfolgreichen Unternehmen wie Slack, Airtable, Robinhood und Postmates. Der Name „Slow“ spiegelt die langfristige Investitionsphilosophie wider, die auf den Aufbau nachhaltiger Unternehmen mit bedeutender Wirkung ausgerichtet ist.

  • Hauptsitz: San Francisco, Kalifornien, USA.
  • Stiftung: 2010 von Dave Morin, Kevin Colleran, Sam Lessin
  • Bemerkenswerte Investitionen: Slack, Airtable, Robinhood, Postmates, Allbirds
  • Web: Besuchen Sie die offizielle Website | LinkedIn | X

Die Debatte verdeutlicht eine grundlegende Spannung im Silicon Valley: Während die eine Fraktion den absoluten Vorrang von Produkt und Umsetzung verteidigt („etwas Großartiges schaffen“), erkennt die andere an, dass mit der zunehmenden Integration von Technologie in alle Aspekte der Gesellschaft die Fähigkeit von Führungskräften, sich in komplexen sozialen und unternehmerischen Kontexten zurechtzufinden, immer wichtiger wird.

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